Der Stress mit dem Stress

Patrick ist gestresst. Gerade hat ihm der Chef ein neues Projekt aufgedrückt, sein E-Mail-Postfach quillt über vor ungelesenen Mails und morgen endet die Deadline für eine wichtige Ausschreibung. Zu allem Überfluss klingelt ständig sein Telefon. „Wie schön wäre es jetzt auf einer einsamen Insel!“, stöhnt er auf, als sich die Lautstärke im Großraumbüro bis ins Unermessliche steigert.

Als er, mal wieder viel zu spät, nach Hause kommt, steht Miriam in der Küche. Um ihre Mundwinkel herum spielt ein spöttisches Lächeln. „Du wolltest dich vor drei Stunden ums Abendessen kümmern.“ Patrick sinkt innerlich in sich zusammen. „Nicht auch das noch,“ quetscht er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und spürt eine heiße Welle des Zorns in sich aufsteigen…

So wie Patrick geht es vielen Menschen in der heutigen Zeit. Alltagsbelastungen wie Zeitdruck oder Lärm, Reizüberflutungen oder die maximale Erreichbarkeit per Mail, Handy, Messenger etc. können zu einer dauerhaften Ausschüttung von Stresshormonen führen. Was folgt, gleicht der inneren Mobilmachung aller Gefechtsteile: Innerhalb von Sekundenbruchteilen beschleunigen sich Herzschlag und Atmung, die Muskeln spannen sich an und der Kopf sucht verzweifelt nach Abbau-/Lösungsmöglichkeiten. Wir stehen unter Strom. 

Von alters her ist Stress eine Reaktion des menschlichen Körpers auf Situationen, die nur zwei Verhaltensweisen zulassen: Kampf oder Flucht. Doch weder können wir heutzutage das eine, noch das andere tun, um unsere innere Anspannung los zu werden. Oftmals enden stressige Situationen dann in verbalen Entgleisungen, wie im Fall von Patrick und Miriam.

Schaffen wir es jedoch nicht, die psychischen Belastungen auf Dauer zu reduzieren, erhöht sich die Gefahr körperlicher Auswirkungen. Dazu gehören Kopf- oder Magenschmerzen ebenso wie ein anfälliges Immunsystem oder das berühmt-berüchtigte Herzrasen.

Abhilfe schafft hier das Durchbrechen der Stress-Kettenreaktion. Zum Abbau eignen sich deshalb, neben der Reduktion des täglichen Arbeitspensums, sportliche Aktivitäten, um die überschüssige Energie loszuwerden. Manchmal ist es auch schon hilfreich, einmal richtig herzhaft zu fluchen. Vorbeugend kann auch die Aufnahme von genügend Flüssigkeit sowie eine ausgewogene, vitamin- und nährstoffreiche Ernährung sein, um den Körper in Stresssituationen zu unterstützen und auf diese Weise die Handlungsfähigkeit zu erhöhen.

Früher hätte sich Patrick übrigens gleich nach seiner Auseinandersetzung mit Miriam auf den Balkon geflüchtet, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Bier. Erstmal runterkommen! Später hätte er reuevoll Pizza bestellt und gemeinsam mit Miriam bis tief in die Nacht mehrere Folgen ihrer Lieblingsserie geschaut.

Doch Vorsicht: diese Verhaltensweisen (u.a. Rauchen, Alkohol, zu wenig Schlaf, unausgewogene Ernährung) tragen NICHT zum Stressabbau bei! Im Gegenteil können sie, langfristig betrachtet, die individuelle Belastbarkeit weiter einschränken. Zum Glück hat Patrick dies rechtzeitig erkannt. Neuerdings geht er nach der Arbeit laufen und achtet auf eine vollwertige Ernährung. An Zigaretten hat er schon lange nicht mehr gedacht und auch seine Aggressionen beschränken sich auf ein Minimalmaß. Er fühlt sich rundherum wohl. Wenn er es jetzt noch schafft, ans nächste Abendessen mit Miriam zu denken, kann ja nix mehr schief gehen…